
Erst Grün, dann Weiß, dann Weiß mit Pickeln und jetzt Weiß mit Struktur. So in etwa waren die letzten Gemütszustände unserer Wohnzimmerwände. Dabei sind die fröhlichen Farbwechsel nur das Resultat meines Geizes. Ich habe nämlich beim Verspachteln der Rigipswand erstmal die alten Uniflott-Reste aufgebraucht. So ein kleines 5kg-Päckchen kostet schließlich stolze 8,50€. Das darf man nicht einfach so alt werden lassen. Also habe ich im ersten Durchgang "Uniflott imprägniert" (grün) verarbeitet und erst im zweiten Durchgang eine neue Packung "Uniflott Standard" (weiß) aufgemacht.
Im nächsten Schritt ging ein Eimer Putzgrundierung (ca 36,-€) zur Vorbereitung des Untergrundes auf den Kunstharz-Rollputz drauf. Das Resultat war eine einheitliche, auch schon weiße, aber raue, da leicht picklige Oberfläche. Auf derart beschaffenem Untergrund soll der Rollputz ja angeblich ideale Haftung finden. In der Vergangenheit hatte ich damit jedoch
weniger Glück.

Zuletzt habe ich mich nach einem kleinen Disput mit <Frau> gezwungen, diesen elenden Rollputz ÜBERALL im Wohnzimmer an die Wände zu klatschen. Ich wollte mir ja die Arbeit ein wenig erleichtern und wenigstens an den kritischen Stellen, dort wo vormals der Raum durch
die Wand geteilt war und jetzt alter Rollputz auf Neuen stößt, nur eine einfache glatte Struktur mit Pinsel oder Spachtel anflicken und die ganze Stütze mitsamt dem Übergang später farblich absetzen. Mit der Strukturrolle gerade oder sogar über Eck an bereits ausgehärtetem Putz ansetzen macht nämlich keinen sonderlichen Spaß. Aber nein, Frau wollte das nicht: "Das würde ja aussehen, als kombiniere man Pünktchen- mit Streifenmuster". Ich: <Achselzucken>. Sie: "Das geht nicht". Ich denke, das war ein Nein, also wird es auch nicht gemacht. Dafür behalte ich mir aber vor, meinen herrlich schwarz martialischen Sicht-Stahlträger nach eigenem Dünken farblich zu gestalten -- wenn überhaupt.

Wie dem auch sei, als ich mit dem Rollputz fertig war, hatte es schon eine Stunde nach Mitternacht geschlagen und ich hatte einen Batzen Rollputz im Ohr. Ist Euch schonmal nach Mitternacht bei Überkopfarbeiten Rollputz ins Ohr getropft? Das ist nicht angenehm, weil irgendwie kühl. Zählt man alles an Rollputz zusammen, was auf Wand, Boden und in meinem Ohr klebte, ging auch hier wieder ein neuer 20kg-Eimer (ca 30,-€) drauf. Vorher hatte ich allerdings noch zwei knappe halbe Eimer mit den gesammelten und halb eingetrockneten Resten vom Vorjahr aufgerührt, vermischt und im neuen Putz untergerührt. Geiz ist mühsam. Ich musste übrigens in nicht weniger als SECHS Baumärkten nach dem Rollputz suchen, weil ich mit genau dem selben Produkt anknüpfen wollte, dass schon die anderen Wände bedeckt. Leider konnte ich mich doch partout nicht mehr daran erinnern, wo ich das Zeug vor über einem Jahr gekauft hatte. Vielleicht hatten die das aber auch nur vorübergehend im Programm und konnten sich selbst nicht mehr daran erinnern. Jedenfalls weiß ich nun, dass alle mir bekannten Märkte in der Region noch genau dort sind, wo ich sie in Erinnerung hatte. Es fehlt tatsächlich keiner, und es wird auch tatsächlich immer der letzte Markt sein, in dem man schließlich fündig wird. Das ist eine Art Naturgesetz.
Unabhängig davon, dass mir der Rollputz sozusagen schon zu den Ohren raus kommt, war das einzig positive bei der gestrigen Aktion, dass gleich zwei von den lieben Nachbarn mal durchs Fenster gelugt und erfreut konstatiert hatten, dass ja nun endlich ein Ende in Sicht sei. Naja, Recht haben sie schon, aber die konnten ja nicht sehen, was ich weiß, was am Boden unter der ausgelegten Pappe noch an Arbeit versteckt liegt. Das wird noch was geben...
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