Von Nachbars Baustelle hatte ich schon ein paar Schubkarren lehmhaltiger Erde als Mörtelersatz und von der örtlichen Kompostierungsanlage etwa ein halben Kubikmeter Blumenerde zum Aufschütten zusammengeschaufelt und herbeigeschafft. Die erste Reihe Steine war auch schnell entlang einer Richtschnur gelegt, doch während ich an der zweiten Steinreihe herumpuzzelte, krabbelte ein scheinbar völlig verirrtes Wespentier in meinen gut durchlüfteten Lieblingsheimwerkerpantoffel aus allergenfreien Gummi und versenkte dort angekommen - vermutlich aus blanken Hass - seinen Stachel in meinem großen Onkel. Das nahm ich persönlich, trennte Insekt und Onkel von meinem Schuh, humpelte mit schmerzverzerrten Gesicht ins Haus und lies die Baustelle fortan links liegen.
Wenn man allerdings gefühlt das ungefähr hundertste Mal mit dem Auto in den Hof fährt und immer erst im letzten Moment realisiert, dass man ja wegen des Haufens Wackersteine besonders acht auf seine Frontlippe geben müsste - natürlich ohne jemals auch nur einen Stein berührt zu haben - dann ist das auch eine Form von Motivation. Wie ein Wespenstachel im eigenen Fleisch. Den zieht man ja auch möglichst schnell, um nicht länger zu leiden. Hitzeeinwirkung - habe ich übrigens gelesen - soll das Wespengift unschädlich machen, weil dadurch ein den bekannten Juckreiz verursachendes Eiweiß-Protein zerstört wird. Angeblich heilt bei derartiger Behandlung der Stich auch schneller ab, aber das kann ich mangels Vergleichsmöglichkeiten leider nicht beweisen. Auch bekannt als das "Zwei große Onkel aber nur ein Wespenstich"-Problem.


1 Kommentare:
Gute Idee, so ist auch die Mauer bestimmt schöner
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